Fäkalien-Wasser: Dank dieses Baus soll die Reuss sauberer werden

Die ARA Buholz will die Gewässerqualität, insbesondere der Reuss, verbessern. Dafür wurden eine vierte Reinigungsstufe errichtet und grössere Auffangbecken für Regenwasser gebaut.

Nach starken Regenfällen landet regelmässig verdünntes Abwasser aus verschiedenen Kläranlagen in der Reuss. Pro Jahr passiert das rund 100 Mal. Eine im Juli von 20 Minuten entnommene Wasserprobe zeigte, dass das Wasser stark von fäkalen Bakterien verunreinigt ist.

Surfer und Schwimmer werden über die sogenannten Entlastungen in die Reuss nicht informiert. Ein grosser Teil einer Polizeiklasse erkrankte daher auch bei einer Flussrettungsübung.

Nun soll die Gewässerqualität deutlich verbessert werden: Die Abwasserreinigungsanlage Buholz (ARA) in Emmen LU hat am Dienstag einen neuen Ausbauschritt vorgestellt: eine vierte Reinigungsstufe und zwei neue Regenauffangbecken. Kostenpunkt: 45 Millionen Franken.

«Dank der Abwasserreinigungsanlage Buholz können die Leute in der Reuss baden», sagt Martin Zumstein, Mitglied der Geschäftsleitung von «Recycling, Entsorgung und Abwasser Luzern» (Real), zu 20 Minuten.

Grössere Regenbecken: Weniger Entlastungen

Durch die zwei zusätzlichen Regenbecken können rund sechstausend Kubikmeter mehr Regenwasser aufgenommen werden. «Den ersten Härtetest haben die Becken während der Niederschlagsereignisse im Herbst bereits bestanden», sagt Zumstein. Die Becken hätten sich planmässig gefüllt und geleert, sodass mehr Abwasser in der ARA gereinigt werden konnte.

Wenn die Kapazität jedoch erreicht ist, werde weiterhin – ganz gesetzeskonform – verdünntes und grob gereinigtes Abwasser in die Reuss gelassen. Dies sei laut Zumstein nötig, da es sonst zu einem Rückstau des Abwassers in der Kanalisation kommen würde.

16 Millionen Franken Ausgleichszahlungen

2016 wurde das neue Gewässerschutzgesetz des Bundes erlassen. Dieses verlangt, dass eine ARA, die mehr als 80’000 Einwohner bedient, eine vierte Reinigungsstufe benötigt. Das betrifft etwa 100 ARAs in der Schweiz: Auch die ARA Buholz, mit rund 200’000 Einwohnern, wurde dazu verpflichtet.

Wer diese Reinigungsstufe nicht hat, muss einen finanziellen Ausgleich in einen nationalen Fonds leisten. Für die ARA Buholz waren dies seit 2016 bis zur Eröffnung der Anlage rund 16 Millionen Franken.

Hormone werden entfernt, PFAS nicht

Nun ist die vierte Reinigungsstufe in der ARA in Emmen in Betrieb: Mikroverunreinigungen, darunter auch Medikamenten-, Hormon- und Pestizidrückstände, werden durch Aktivkohle entfernt. Diese Stoffe sind bereits in kleinsten Konzentrationen für verschiedene Lebewesen giftig – auch für Menschen.

Auf die Reinigung von «Ewigkeitschemikalien» PFAS ist die Anlage aber nicht ausgelegt. Ob die vierte Reinigungsstufe der Schweizer ARA einen Effekt auf PFAS hat, wird derzeit vom ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag erforscht.

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