Die Kassen des Kantons Zug sind prall gefüllt. Nachdem klar wurde, dass die Krankenkassenprämien in der ganzen Schweiz steigen und im Kanton Zug um rund 15 Prozent sinken, wollte ich mit Finanzdirektor Tännler sprechen. Denn trotz Rekordüberschüssen bezahlt Zug nicht mehr, als im Finanzausgleich vorgesehen, an andere Kantone. Finanzdirektor Tännler erklärt, warum.

Finanzdirektor Heinz Tännler erklärt im Interview, warum die Krankenkassenprämien für Zugerinnen und Zuger bald um 15 Prozent sinken, Zug Milliarden hortet – und wieso er trotz Rekordüberschüssen weiter auf Sicherheit setzt.
Der Kanton Zug hat Geld wie Heu. Wie macht er das? Unsere Überschüsse sind das Resultat guter Rahmenbedingungen, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für gute Bildung, Gesundheit und Soziales. Das führt dazu, dass sich substanzstarke Unternehmen, aber auch natürliche Personen im Kanton niederlassen. Wichtig ist für uns unter anderem auch der gute Anschluss an den Flughafen Zürich.Für das Geschäftsjahr 2025 rechneten wir mit einem Budgetplus von etwa 235 Millionen Franken. Stand heute werden wir das wohl noch übertreffen. Die Wirtschaft im Kanton läuft gut.
Wie gross ist dabei die Abhängigkeit vom Geschäftsgang einzelner Firmen? Das Risiko ist überschaubar. Von Chemie, Industrie, Technologie, Lifesciences, Finanzen bis zu Rohstoff gibt es alles: Wir sind wirtschaftlich sehr breit aufgestellt. Eine internationale Krise würde den Kanton Zug wohl nicht so sehr wie andere Kantone treffen. Ausserdem sind die Steuereinnahmen von juristischen und privaten Personen in etwa ausgeglichen. Die geopolitische Lage ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Exogene Faktoren können wir direkt nicht beeinflussen. Ich gehe aber davon aus, dass die finanzielle Situation bis 2030 stabil bleibt.
Es wird immer wieder gefordert, dass der Zug beim Finanzausgleich mehr Geld an die weniger vermögenden Kantone abgeben soll. Was sagen Sie dazu? Dieses Jahr hat der Kanton Zug 431 Millionen in den nationalen Finanzausgleich bezahlt. 2026 werden wir rund 35 Millionen mehr zahlen, also dann etwa 470 Millionen. Im Jahr 2027 wird es dann wohl schon über eine halbe Milliarde sein. Ich denke, Zug ist genug solidarisch. Natürlich gibt es unter den Nehmer- und Geberkantonen immer Diskussionen. Da muss man einfach aufpassen: Der Finanzausgleich ist ein ausgeklügeltes Konzept. Bei allfälligen Änderungen gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Momentan sind sich aber alle Kantone einig, in den nächsten drei Jahren nichts am System zu ändern. In drei Jahren wird dann neu diskutiert – wir verschliessen uns keiner Diskussion.
Warum übernimmt der Kanton Zug 99 Prozent der Spitalkosten? Der Kanton Zug will seinen Bewohnerinnen und Bewohnern etwas zurückgeben. Der Regierungsrat hat ein Paket mit drei Themenfeldern geschnürt. 2026 und 2027 übernimmt der Kanton 99 Prozent der stationären Spitalkosten. Ausserdem soll es eine dreijährige Steuerfusssenkung geben, und schliesslich soll der Kanton die Gemeinden bei den Sanierungen der Abwasserinfrastruktur entlasten, damit die Abwassergebühren nicht erhöht werden müssen.Durch die Übernahme der stationären Spitalkosten sinken die Prämien um etwa 15 Prozent. Das senkt auch den Schweizer Durchschnitt um etwa 0,3 Prozent. Es ist eine vernünftige Massnahme. Letztendlich müssen wir für die Zuger Bevölkerung schauen.
Wieso gerade diese Massnahmen – und nicht etwa Investitionen in Infrastruktur oder Bildung? In die Bildung investieren wir sowieso, und das nicht zu knapp. Wir machen schon mehr als notwendig. In Rotkreuz wird gerade eine neue Kantonsschule gebaut, in Zug die bestehende Kantonsschule total saniert. Die neuen Projekte sind zusätzliche Investitionen, sodass alles andere nicht auf der Strecke liegen bleibt, ist selbstverständlich.

Warum setzen Sie nicht konsequent auf eine dauerhafte Steuersenkung, sondern auf zeitlich befristete Programme? Man weiss nicht genau, was die Zukunft bringt. Wenn alles gut läuft, haben wir für die nächsten Jahre bis 2030 eine stabile Situation. Aber wir wissen nicht, wie es danach aussehen wird. Es kann sein, dass die Wirtschaft plötzlich schwächelt. Wenn die Situation schwieriger wird, sind wir froh, dass die Projekte befristet sind und wir Reserven haben.
Was passiert mit den übrigen Geldern, über die der Kanton verfügt? Das Geld, das wir nicht für den laufenden Unterhalt, Sachleistungen, NFA, Investitionen oder anderes benötigen, wird dem Eigenkapital zugewiesen. Das verfügbare Eigenkapital wird sicher angelegt, beispielsweise in Festgeldanlagen. Damit haben wir im letzten Jahr etwa 45 Millionen Franken Zinsertrag erarbeitet. Das Eigenkapital liegt per 2026 bei drei Milliarden Franken. Das ist eine wichtige Reserve für schlechtere Zeiten.
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